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Jetzt mal ehrlich...

Karl Kissel schenkt reinen Wein ein – Thema: Supermarktweine

Familie Kissel

Herr Kissel, nach einer aktuellen Studie des deutschen Weininstituts kaufen immer mehr Menschen ihren Wein im Supermarkt. Sie sind Winzer, Ihr Weinhaus Kissel ist in Saulheim, wie verkaufen Sie Ihren Wein?

Es gibt bei uns zwei Vertriebswege. Als Winzer haben wir den Weingutswein, der wird über den Privatweg verkauft. Wir sind aber eben nicht nur ein Weingut, sondern ein Weinhaus, haben auch Handelsware, die wir über Großhändler vertreiben.

Wodurch unterscheiden sich diese Weine?

Beim Ausbau der Weingutsweine gebe ich mir natürlich wesentlich mehr Mühe. Dieser Wein wird schon im Herbst ganz speziell ausgebaut – so, wie er nachher auf der Flasche sein soll. Während ich die Weine, die ich als Fassweine verkaufe, zum Großteil im Herbst schon als Traubenmost, also vor der Vergärung verkaufe. Oft werden die Lesetermine schon mit den Kellereien abgesprochen. Diese wissen also schon zwei, drei Tage vorher, was wir lesen werden oder sie sagen uns, wir hätten gerne dann und dann dies oder das geholt und wir richten dann unsere Leseplanung auf diese Kellereiweine, nach deren Abnahmeterminen ein.

Man kann also Ihren Flaschenwein nicht mit dem Fasswein vergleichen, der letztlich im Supermarkt landet?

Nein! Das Problem ist doch, dass man im Supermarkt nur das kaufen kann, was man sieht, nicht, was man schmeckt. Der Supermarkt bietet seinen Kunden Waren an, die über die Jahre zumindest ähnlich sind, oder bezogen auf Wein, ähnlich schmecken. Supermarktware ist konfektioniert.

Es gab vor Jahren eine Kellerei, die auch sehr stark im amerikanischen Markt war, die haben anfänglich versucht, ihre Verschnittweine nach Laborwerten zu produzieren, also so, dass immer die gleichen analytischen Daten gegeben waren. Aber dann merkten sie, dass trotz der identischen analytischen Werte, immer ganz andere Weine heraus kamen. Also mussten sie sie die Weine wieder umverschneiden, damit der Geschmack gleichbleibend war.
  

Wenn immer mehr Menschen ihren Wein im Supermarkt kaufen, machen Sie sich mit ihrem Fasswein für den Supermarkt nicht selbst Konkurrenz?

Nein, das sehe ich nicht so. Wer ist denn der Verbraucher, der den Wein im Supermarkt kauft? Hier kaufen Leute, die sagen: „Okay, ich habe jetzt ein schönes Stück Fleisch gekauft, ich hab´ die Pommes Frites und das Gemüse fix und fertig gekauft, jetzt brauch ich zum Essen noch einen schönen Wein, der steht ja nebenan, den kann ich jetzt auch noch mitnehmen“. Ich glaube nicht, dass jemand, der einen Wein genießen will, seinen Wein im Supermarkt kauft. Im Supermarkt kauft man den Wein, der jetzt gerademal mitgeht, weil er heute Abend auf dem Tisch stehen soll. Diese Käufer machen sich nicht die Mühe noch zwei Flaschen Wein beim Winzer nebenan zu holen. Und die Zeiten, in denen man sich einen Weinvorrat in den Keller gelegt hat, sind längst vorbei. Der Wein wird heute oft von der Hand in den Mund gekauft.

Ihre Weingutsweine sind also keine Alltagsweine?

Ich würde jetzt nicht sagen, dass sie nur etwas für besondere Tage sind. Man kann sich auch im Alltag etwas Besonderes gönnen.

Ihre Weine sind demnach auch teurer als im Supermarkt?

Ja!. Aber es gibt natürlich sogar beim ALDI oder LIDL sehr wertige Weine – zu Preisen, wie ich sie auch habe.

Und das ist dann immer noch Konfektionsware?

Nicht nur, es gibt im Supermarkt auch Weine von Winzern und Genossenschaften. Der Unterschied ist, dass wir in unserem Weingut  Flaschenweine in kleineren Mengen, auch in kleineren Tanks ausbauen, um die man sich dann auch speziell kümmern muss. Wer seinen Wein an Discounter oder Großhandel verkauft, muss schon eine größere Menge abliefern. Da geht es nicht um 10 oder 20.000 Flaschen sondern um 50 oder 100.000 Flaschen. Und auch die sollen über die Jahre möglichst gleichbleibend im Geschmack sein. Zumindest ist er neutraler, als der Wein, den der Winzer für seinen kleinen Flaschenweinvertrieb erzeugt. Für große Mengen werden die Weine natürlich auch in ganz anderen Tanks ausgebaut, das sind dann 20- oder 30.000-Liter-Tanks. Da verläuft die Gärung, die Reife ganz anders, als wenn ich einen Wein in einem 1000-, 2000- oder 3000-Liter-Tank ausbaue.

Wie reagieren Sie als Weingutswinzer auf den Supermarkttrend?

Ich muss als Winzer Qualität bringen. Sie muss so überzeugend sein, dass der Kunde dafür bereit ist, zu mir ins Weingut zu fahren, Kilometer in Kauf zu nehmen, die er für seine normalen Einkäufe nicht fährt. Er soll wissen, dass er bei mir probieren, aber auch mal sagen kann, „och nee, der ist in diesem Jahr nicht ganz so, wie ich ihn mag“. Schöner ist natürlich wenn er sagt: „Ich nehme ein, zwei oder drei Kisten mit, die trinke ich nicht morgen oder übermorgen aus, aber den Wein habe ich jetzt mal zuhause“.

Den Wein jedes Mal neu probieren zu können, das ist der Hauptvorteil, wenn man beim Weingut direkt kauft. Wein ist ein Naturprodukt. Er schmeckt in jedem Jahr, oftmals sogar bei jeder Abfüllung anders. Trotz gleicher Bezeichnung ist es nie der gleiche Wein. Genauso wenig, wie man sagen kann, dass der Riesling vom Kissel und der Riesling vom Winzer Müller gleich schmecken, weil sie in unmittelbarer Nähe voneinander gewachsen sind. Jeder Wein ist unterschiedlich. Deshalb kann ich jedem Verbraucher nur empfehlen, dorthin zu gehen, wo ihm der Winzer sympathisch ist und wo ihm die Weine schmecken. Auf unseren Etiketten kann der Kunde den Namen Kissel lesen und den Wein mit einer bestimmten Ausbauart verbinden: „Das ist der Grauburgunder vom Kissel, das sein Riesling“. Es ist also nicht nur die Frage wo ein Wein wächst, sondern auch, wie er ausgebaut wird.

Und all das erlebt der Kunde auch auf der RegioWein?

Ja klar. Hier sind – glaube ich, 80, 90 Winzer aus sechs Regionen. Hier kann man alle möglichen Weine probieren, kann mit den Winzern selbst reden, fragen, warum der Wein so schmeckt wie er schmeckt. Das kann der Kunde im Supermarkt nicht. Dieses Gespräch mit dem Winzer selbst hat er nicht einmal im Weinfachhandel. Und dann sind hier natürlich auch Weingüter, die maximal eine Autostunde von Mainz entfernt sind, aber doch aus sechs ganz unterschiedlichen Weinregionen kommen. Der Riesling beispielsweise schmeckt eben in der Pfalz oder an der Mosel ganz anders als bei uns in Rheinhessen. Das ist schon toll, so etwas hier in Mainz zu haben.

Mal ganz ehrlich: Werden Sie als Aussteller auch Weine aus dem Rheingau probieren und gibt es Weine aus anderen Regionen, die sie besonders interessieren?

Mich interessieren alle Weine. Wein ist mein Leben, Wein ist mein Beruf. Wie sagt man so schön: Auch andere Mütter haben schöne Töchter. Mich interessiert jeder Wein, ob das jetzt aus dem Rheingau ist oder aus Chile, das ist mir ganz egal.