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Jetzt mal ehrlich...

Wolfgang Bender schenkt reinen Wein ein – Thema: Junge Winzer

Wolfgang Bender

Herr Bender, Sie sind 27 Jahre alt, Ihr Weingut hat den hippen Namen „Weingut WoW by Wolfgang Bender“, aber auf Ihrer Homepage siezen Sie Ihre Besucher. Liegt es daran dass nach einer Studie Rot- und Rosétrinker zwischen 30 und 50 Jahre alt, die meisten Weißweintrinker sogar über 60 Jahre alt sind? Ist das marktgerechte Kommunikation?

Ist das so? Sieze ich meine Besucher? (Pause –lacht) Nein, da steckt keine Marketingkonzept dahinter. Der Name ist daraus entstanden, dass ich einen persönlichen Namen haben wollte. WoW ist die Abkürzung für Wolfgangs Weine. Der Name ist also sehr auf mich bezogen, sehr persönlich. Und dass ich in Sie-Form schreibe, das ist einfach nur reine Förmlichkeit.

Als Sie 2011 mit gerademal 22 Jahren das Weingut Ihres Vaters übernommen haben, hieß es noch „Weingut Bender“, seit 2014 WoW: Wie unterscheiden sich Ihre Weine von denen Ihres Vaters?

Einen Großteil seines Weinmachens habe ich übernommen, weil ich ein großer Fan davon bin, wie er seine Weine gemacht hat, hauptsächlich dass er den Weinen Zeit gegeben hat. Ich habe dann aber die Weine frischer gemacht. Im Weinberg achte ich mehr auf die Natur, was für die Natur des Weinbergs am besten ist. Das Gleiche gilt für die Traubenannahme: weniger Maschineneinsatz, weniger mechanische Belastung, eine schonendere Verarbeitung und damit auch eine klarere Frucht in den Weinen. Meine Weine sind daher deutlich fruchtbetonter. Auch die trockensten Weine, die nur 1 Gramm Restzucker haben, schmecken deutlich fruchtiger, sind meiner Meinung nach angenehmer und interessanter zu trinken.

Fruchtiger, frischer, interessanter zu trinken – das klingt eher nach einer jungen Zielgruppe. Im Vergleich zum Kaufverhalten älterer Jahrgänge sagt man den jüngeren Weinkonsumenten allerdings nach, sie würden nach Lust und Laune Wein und Winzer wechseln. Welche Altersstruktur hat Ihre Zielgruppe tatsächlich?

Die attraktivste Zielgruppe ist für mich natürlich die ab 35 Jahre. Aber auch viele junge Weintrinker bauen eine gute emotionale Verbindung zum Produkt Wein auf. Sie gehen viel bewusster an die Weine, auch deren Produktion, als ältere Kunden. Diese haben zwar eine höhere Kaufkraft, interessieren sich aber meist nicht bis in die letzte Instanz, wie der Wein produziert wurde. Da geht es meist wirklich nur um den Geschmack. Die Jüngeren hinterfragen viel mehr, was eingesetzt wurde und wie umweltschonend der Wein erzeugt wurde. Deshalb sind die Jüngeren schon auch eine höchst interessante Kundengruppe. Das ist ein ganz anderer Kontext, in dem man den Wein vermarktet. Man muss sich als Winzer durch dieses kritische Hinterfragen auch selbst ganz anders mit dem Produkt Wein auseinandersetzen. Man hinterfragt sein Schaffen permanent und viel intensiver. Es ist also nicht so, dass die jüngeren Kunden immer hüpfen und springen. Man kann sie schon sehr gut an den Betrieb binden – wenn man sie von der Art, wie man die Weine macht, überzeugen kann.

Was macht für Sie einen guten Wein aus?

Ein guter Wein muss ehrlich sein, natürlich erzeugt. Ich will keine Tricksereien mit Holzchips, mit Tanninen in Pulverform und allem was erlaubt ist. Ich will, dass die Weine wiedergeben, wie die Natur, wie der Weinberg sie gemacht hat. Daher sollten Weine auch eine gewisse Leichtigkeit haben. Wenn der Wein zu schwer wird, dann vergeht mir die Lust ihn zu trinken. Das gilt auch, wenn der Wein sehr interessant ist, weil er Aromen hat, die man dem Wein so im ersten Moment nicht zuordnen kann, etwa Paprika beim Sauvignon Blanc. Es kann schon spannend sein, so etwas mal zu probieren – aber es macht mir keine Lust, davon mehr zu trinken. Mir geht’s beim Wein darum, dass er den Alltag abrundet oder auch eine besondere Gelegenheit, ein Fest oder ein gemütliches Beisammensein mit Freunden. Deshalb dürfen die Weine nicht zu schwer werden, dass man die Freude und Leichtigkeit verliert, sie zu trinken: Wein soll ein Begleiter sein, aber nicht im Vordergrund stehen. Er kann aber natürlich gerne einen eigenen Charakter haben. Auch meine Weine sollen herausstechen aus der Menge, durch Aromen, die erfrischend sind, die aufmerken lassen. Sie sollen aber nicht anstrengend zu trinken sein.

In den Medien wird viel über die jungen Winzer berichtet. Jetzt mal ehrlich: Haben die jungen Winzer wirklich so viel mehr drauf als ihre Väter oder haben sie vor allem mehr Ahnung vom Marketing?

Allein die Entwicklung der Technik bietet enorm viele neue Möglichkeiten, die den älteren Generationen noch nicht zur Verfügung standen. Vielleicht haben sie auch weniger gelernt, die eigenen Arbeitsweisen zu hinterfragen. Insofern würde ich nicht behaupten, dass die jüngere Generation besseren Wein machen kann, als die alte. Im Endeffekt können wir insofern von der älteren Generation viel lernen, weil trotz des ganzen Fortschritts doch immer wieder bewusst wird, dass im Weinbau weniger immer mehr ist. Die alte Generation hat oft Verfahrenstechniken benutzt, die dem Wein nicht gut tun. Man hat mit Methoden und Betriebsstrukturen gearbeitet, die sich etabliert haben und hat die nicht mehr hinterfragt. Ich glaube, da liegt die Stärke der jungen Generation: Sie hinterfragt erst einmal alles, was da ist. Man muss dann allerdings aufpassen, nicht alles als schlecht abzutun. Man muss gut beobachten und schauen, was ist gut und was kann man weglassen. Auch ich habe nicht gesagt, ich mache alles anders, sondern ich habe gesagt ich mache nur noch dies und das. Ich habe viele Arbeitsschritte weggelassen und dann gemerkt, dass die Qualität dadurch besser wurde. Ich habe schonender gearbeitet, Produktionsketten verkürzt, weniger filtriert, weniger geschönt, dem Wein viel weniger zugemutet und dafür meinen Fokus auf die Gesundheit der Trauben gelenkt. Was der alten Generation schwer fiel, war zum Beispiel das konsequente Herausschneiden, die Erträge herunterzufahren und Lesegut, das nicht hundertprozentig gesund ist, wegfallen zu lassen. Es wurde viel verwertet, was der Qualität nicht guttat.

Beim Thema Marketing hat die junge Generation vor allem einen Vorteil, nämlich oft eine ältere Generation die im Betrieb die Stellung hält wenn der Junior sich um das Image kümmert.

Welchen Ihrer Weine sollte ein Weininteressierter unbedingt mal probieren, warum gerade diesen und was kostet er?

Es gibt bei mir einen Rotwein und einen Weißwein, die ich gerade sehr spannend finde. Das eine ist ein Silvaner, den ich jetzt im zweiten Jahr gemacht habe, einen „Silvaner Verde“. Der ist deshalb spannend, weil er eben nicht diesen klassischen Charakter vom Silvaner hat: etwas rustikal, ruppig, grüne Noten. Zwar schon eher in Richtung Riesling, säurebetont, aber ohne diese schöne Frucht. Für mich war ein Silvaner auch in der gehobenen Klasse immer ein eher einfacher Wein, ihm hat ein wenig die Finesse gefehlt. Mein Silvaner dagegen ist völlig neu interpretiert und zeigt was möglich ist, wenn man etwas abseits der normalen Wege denkt, die möglich sind beim Weinproduzieren.

Der Rote ist ein Cuvée, das ich gemacht habe, ein sehr junges Cuvée, es nennt sich „Tribute“. Es verbindet mich mit dem Traditionellen meines Vaters und ist auch ihm gewidmet: Ich habe mich vom Anbau her danach gerichtet, wie er die Rotweine aufgebaut hat, aber ich habe das Ganze etwas mit meinen neuen Erkenntnissen modifiziert, habe es auf die Spitze getrieben. Ich habe die Rebsorten Merlot und Cabernet Sauvignon von Anfang an sehr selektiv behandelt, im Weinberg stark ausgelesen. Dann wurden sie so, wie mein Vater das immer gemacht hat, komplett auf der Maische vergoren, also über zwei Wochen mindestens fünf Mal am Tag untergestampft und durften nach der Gärung noch vier Wochen auf der Maische Aroma ziehen. Erst danach wurde der Wein abgepresst und ohne Schwefel bis in den nächsten Sommer im Barrique gereift. Erst dann, nachdem er sehr spät biologisch die Säure abgebaut hat, wurde er in neue Barriques umgefüllt, wo er dann noch einmal reifen durfte, bis er dann abgefüllt wurde. Herausgekommen ist ein Wein, der sehr schön weich und rund schmeckt, nicht zu viel Alkohol hat, aber eine schöne Dichte und Würzigkeit. Es ist ein 2014er, der jetzt schon ein sehr intensives Aroma hat und deshalb für mich gerade das Spannendste ist, was ich an Rotweinen auf der Karte habe. Der Silvaner kostet 6,20 Euro und der Tribute 14 Euro.